Nico Müller









(DEUTSCHE VERSION UNTEN)




 DEUTSCHE VERSION


MR: Peux-tu expliquer ton expérience durant la marche du 6 septembre dernier ?
 

NM: Eigentlich ist es schon an sich spannend, einen Ort zu erfahren/erwandern, an dem man noch nie zuvor gewesen

ist. Ich fand es einen schönen Einstieg um mit dem Denkprozess der Ausstellung zu beginnen. So wie der Spaziergang

vom Wetter ausgegangen ist, bin auch ich später für die Ausstellung, vom Wetter ausgegangen. Wobei ich

mich dann auch wieder davon wegbewegt habe, aber vielleicht liegt gerade darin auch eine Qualität des Wetters:

ein guter Anfang zu sein.

 

MR: J’ai le sentiment que la marche, et particulièrement le chemin, est important dans ton travail, peux-tu expliquer pourquoi?

 

NM: Das Gehen nimmt in meinem Arbeitsprozess einen zentralen Platz ein. In seiner Linearität und Kuntinuität ist es

nicht sehr weit vom Lesen entfernt und gerade im urbanen Raum meist auch ähnlich anstrengend. Ähnlich wie

beim Lesen, kann man auch beim Gehen völlig mit seinen Gedanken abdriften. Am liebsten sind mir diejenigen

Spaziergänge, auf denen ich meine Umgebung komplett vergesse und meine Gedanken mit dem Rhytmus meiner

Schritte verschmelzen.

 

MR: Je vois ton travail comme une suite d’actions simples. Qu’est ce que la simplicité t’évoque?

 

NM:Einfache Arbeiten evozieren in mir ein Gefühl von Bestimmtheit. Da weniger vorhanden ist, das zur Bedeutung der

Arbeit beitragen kann, scheint das wenige was da ist an Intensität zu gewinnen. Solche Arbeiten geben dem Betrachter

das Gefühl, lesbar zu sein. Im selben Atemzug geben sie auch mir als Künstler das Gefühl als könnte ich

meine Arbeiten klar verstehen, als würden sie Teil einer Sprache sein. In dem Moment, wo eine Arbeit entsteht, ist

sie mir meist noch viel zu nahe, so dass ich nicht richtig sagen kann, ob die Arbeit für sich funktioniert oder nicht.

Da bleibt mir dann unter dem Strich auch nichts anderes übrig, als auf mein Bauchgefühl zu vertrauen.

 

MR: Quelle place prend l’humour dans ton travail?

 

NM: Humor ist wichtig für meine Arbeit. Genau so wichtig ist es mir aber auch, dass meine Arbeit nicht in erster Linie

lustig oder ironisch sind. So wird der Humor eher zu einem Phänomen, dass sich am Rande meiner Arbeit abspielt

und nicht in derem Zentrum, und ist daher auch nicht immer einfach zu lesen.

 

MR: Peux-tu expliquer le point de départ de ce travail présenté ici à Space out?

 

NM: Ich komme gerne möglichst ohne schweres Gepäck an einem neuen Ort an, damit ich mich möglichst frei bewegen

kann. Im Bezug auf die Kunst kommt das sicher auch daher, dass ich keine Atelierpraxis im strengen

Sinne habe und es mir somit auch an Dingen fehlt, die ich einfach so reinstellen könnte. Aber vielleicht

ist das auch nicht ganz wahr, denn schlussendlich habe ich so gut wie immer einen Plan B, der mehr oder weniger

funtionieren würde. Dieser Plan B ist die einfache und sichere Lösung, die ich zu umgehen suche.

Am Anfang meines Denkprozesses für Space Out stand die Vitrine und der Nebel, der sie im Herbst umgibt. Die

Form der Vitrine ist bestimmt durch eine Glasscheibe mit einem isolierten Raum dahinter. Dies schafft einerseits

klare Raumverhältnisse, andererseits kann das auch sehr limitierend wirken, da das Werk klar vom Betrachter getrennt

wird. Ich habe bereits sehr bald nach einer Öffnung der Situation gesucht, einer Verbindung nach Aussen.

Ich wollte eine Arbeit, welche die Richtung der Vitrine umkehrt, damit sie nicht von Aussen nach Innen, sondern von

Innen nach Aussen funktioniert. Dabei mag ich die Einfachheit der Geste, die Klebschrift auf der falschen Seite des

Fensters anzubrigen, mit der sie sich plötzlich nicht mehr spezifisch auf den Innenraum bezieht, sondern sich fast

wie ein Stempel auf die Aussenwelt drückt. Auf der anderen Seite ist die Arbeit visuell sehr schlicht gehalten und

wirft den Betrachter schnell wieder auf sich selbst zurück. Zurück in den Nebel und in den Alltag.

 

GESPRÄCH NICO MÜLLER UND MAEVA ROSSET, OKT. 2018